Die Familie
Die Todesursache
wird von allen
geteilt: gravierende
Perforationen
münzweit an der oberen
Schädelkallote, vermutlich
durch den Einschlag
einer Steinaxt
verursacht. Da der Punkt
und Aufprallwinkel
unter den Schädeln nicht
einheitlich sind, wird
mit Sicherheit
davon ausgegangen, dass
die Gruppierten
im Zuge eines Kampfes
getötet wurden
und nicht infolge
einer rituellen Tötung.
Die sechs Leichen
wurden in einer
neolithischen Lehmgrube
aufgefunden, bedeckt
mit Tonscherben
radiokarbondatiert
auf etwa 3800
v. Chr. Gemeinsame
epigenitische Merkmale
trugen dazu bei, ihre
Verwandtschaft
zu belegen: ein Säugling,
weiblich, schlecht erhalten;
zwei Jungen, ungefähr
fünf und dreizehn
Jahre alt; eine Frau
in ihren späten Zwanzigern;
ein Mann, etwas älter;
ein weiterer Mann
um die Fünfzig. In situ auf-
genommen, hinunter-
schauend auf den Befund
inmitten Felder, eines
Obstgartens etwas
außerhalb der heutigen Stadt
schichtenweise
freigelegt: ein Foto
aus Perspektive des Archäologen
auf Augenhöhe des Besuchers
hinter der Glasvitrine
angebracht. Ein nebenstehendes
Diagramm stellt
die Anordnung der Körper
mit gestrichelten Linien
dar: wo der Fuß
vom älteren Jungen durchdringt
die Leiste der Frau
und der Arm
eines der Männer
in der Taille des Anderen
ruht. Bein um Bein
geschlungen, eine Hand
auf die Hüfte
gelegt. Mutter und Tochter
näher an den
Hintergrund, lichter
als das pfirsichfarbene
Dunkel der Männer.
Eine Barriere aus Fliesen
verputzt mit Kunsterde
festigt, hält zurück
die, die Echterde, in der
die Knochenreste aus
dem Boden hinaus-
gehoben wurden. Die Wirbel
halbvermodert, ovalen-
formig die Rippen
abgeflacht. Teilkiefer,
leicht mit Kiesel
verwechsel-
bare Zähne. Im Foto
unweit, nicht mehr als
einundhalb Meter
unter der bewirtschaftetem
Feldöberfläche
kniet in der Grabung
ein Mann, Pinsel in Hand
und schaut auf die
ihn noch bevor-
stehende Arbeit. Ohne darüber
nachzudenken, drehe ich
mich um und frage
die Wärterin, die den Flur
auf und ab geht
Ist es Ihnen bekannt,
wo die wirklichen
Reste wieder
bestattet wurden?
Worauf sie antwortet
Das sind sie ja, und zeigt
über meine Schulter
auf die Familie.
